Freiflächen-Photovoltaik (hier in Tating):
Wenige Gewinner, viele Verlierer

Goldgräber-stimmung für Investoren

Happy,Businessman,With,Glasses,Smiling,And,Looking,At,Camera,While

Gewinner wären eindeutig Investor und Landbesitzer. Corona macht es ihnen leicht: Durch die Pandemie sind nur begrenzt oder gar keine Treffen und Bürgerversammlungen möglich und unsere Politiker hören oft nur die Seite der Investoren. Kritische Stimmen haben es schwer, Gehör zu finden.

Von der versprochenen Gewerbesteuer, die - wenn überhaupt - sowieso erst nach 5 bis 7 Jahren fließen würde, dürfen Gemeinden nur einen Bruchteil behalten. Den Großteil würde ihnen durch die Gewerbesteuerumlage gleich wieder abgezogen. Der Schaden für Landschaftsbild, Lebensqualität, Natur und Landwirtschaft wäre beträchtlich. In besonderer Weise würden die in der flachen Landschaft weithin sichtbaren spiegelnden Panele den Tourismus, unsere Haupterwerbsquelle, beeinträchtigen.

Also viel Geld für den Investor, Zerstörung von Landschaft und Lebensqualität auf Eiderstedt. Die Natur verarmt. Die Landwirtschaft verliert wertvolle Flächen. Der Tourismus leidet - welcher Feriengast will auf verspiegelte Flächen gucken?

Kulturlandschaft verschwindet

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Eiderstedt besitzt eine kulturhistorisch wertvolle Landschaft. Die Wechselwirkungen zwischen Menschen und Natur haben über einen Zeitraum von 2000 Jahren einzigartige Spuren in der Landschaft hinterlassen, die außergewöhnlich und heute immer noch gut erhalten sind. Man kann in dieser Landschaft lesen, wie in einem offenen Geschichtsbuch, das Landschaftsprofil aus vergangenen Zeiten ist immer noch erkennbar. Alte Deiche bezeugen die schrittweise Eindeichung. Siedlungen, früher wie heute, liegen auf den höher gelegenen Landschaftsteilen. Dörfer und Städte dokumentieren die 2000jährige Geschichte der Besiedlung der Marsch und ihre ökonomischen und sozialen Beziehungen zu Gegenden außerhalb der Wattenmeerregion.

Soll sich die Kulturlandschaft Eiderstedt von der Landbewirtschaftung hin zu einem Energieerzeugungsstandort mit Industriecharakter entwickeln? Oder wollen wir nur neue Geschäftsmodelle für Investoren etablieren?

Tourismus
leidet

Radfahrer in der Eiderstedter Landschaft

Die LTO (Lokale Tourismusorganisation) vermarktet Eiderstedt mit dem Slogan „Traumstrand trifft ländliches Idyll". Das ist aber längst nicht alles. Was macht Eiderstedt so besonders und für Touristen attraktiv?

Es ist der harmonische Dreiklang von Natur- und Schutzraum Weltnaturerbe Wattenmeer/Nationalpark, der vergleichsweise gut erhaltenen Kulturlandschaft, (die Spuren der Vergangenheit sind bis heute sichtbar) plus weltweit einmaliger Baudenkmäler bäuerlicher Tradition, wie Haubargen, Kirchen und Katen. Diese wertvolle Kombination mit dem weiten ungestörten Blick über Land, Meer und Baukultur darf nicht durch einen solaren Flickenteppich zerstückelt werden! Das ist unser Kapital, das mit der fortschreitenden Zerstörung anderer Landschaften immer höher an Wert gewinnt.

Erhalt und Pflege dieser harmonischen Umgebung sichern uns die touristische Nachfrage im ländlichen Eiderstedt. Kein Feriengast mag gerne von der Terrasse seiner Ferienwohnung auf Photovoltaik-Anlagen schauen. Auch nicht aus dem Auto auf der Fahrt zum Strand, nicht auf der Fahrradtour am Deich oder auf der Landstraße, nicht beim Deichspaziergang.

Landwirtschaft verliert Flächen

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Flächenfraß durch Freiflächen-Photovoltaik:  Es entsteht zwangsläufig Konkurrenz um die Flächen. Verknappung bei den landwirtschaftlichen Flächen, oft verbunden mit dem Verlust von ertragreichen Böden, führt zur  Verschlechterung der Situation für die Landwirtschaft. Die Konkurrenz um die noch zur Verfügung stehenden Flächen wird zu einem mit massiven Anstieg der Pachtpreise führen. Die Flächen fehlen für die Nahrungsmittelversorgung und verschlechtern die Zukunftsperspektive für die nächsten Generationen. Solaranlagen sollen vorrangig auf Dachflächen, Gewerbe- und Sonderbauten oder Konversionsflächen geplant werden.

Die Region muss eine gemeinsame Strategie entwickeln und Rahmenbedingungen schaffen für eine naturverträgliche, energiesparende und klimafreundliche Landbewirtschaftung mit einer guten Entlohnung für die Landwirte und der Erzeugung von gesunden Nahrungsmitteln. Das wäre ein weiterer Imagegewinn und ein ausbaufähiges besonderes Merkmal für die Region Eiderstedt.

Lebensqualität geht verloren

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Die Landschaftsqualität und die damit verbundene Lebensqualität ist ein wesentlicher Standortfaktor im strukturarmen ländlichen Raum, der vielerorts von Abwanderung geprägt ist. Diese Landschaftsqualität zu erhalten und bewusst zu machen, hält Bewohner*innen in der Region und zieht zunehmend Neubürger*innen an.

Was ist mit den Anwohnern, die hier zu Hause sind und fortan 30 Jahre statt in eine grüne Landschaft auf glänzende Solarpanele schauen sollen? Umgeben von mit Netzen bespannten Zäunen, ausgestattet mit Notbeleuchtung und mit Geräuschen durch Nebenanlagen wie Wechselrichter, Transformatoren und Übergabestationen. Zusätzlich zur Beeinträchtigung der Lebensqualität der Anwohner*innen, verlieren auch die Immobilien an Wert.

 

 

Schaden
für die Natur

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Flächenphotovoltaikanlagen führen zu Veränderungen auf der Fläche und wirken sich auch auf die angrenzenden Flächen aus. Eine deichnahe Photovoltaikanlage auf Grünland, wie im Norderheverkoog, wird im Winter zur Vertreibung der dort rastenden und nach Nahrung suchenden Gänse führen. Die Gänse, dort mit einem Schlafplatz hinterm Deich, werden durch diese Vertreibung nicht weniger, sondern nun intensiver auf den anderen Flächen ‐ unter anderem dann auch stärker auf benachbarten Ackerkulturen ‐ fressen müssen.

Eine weiterer Schaden für den angrenzenden Nationalpark wäre die Begünstigung der Lebensbedingungen (in den Photovoltaikflächen) für Tiere, zu deren Nahrung Eier und Küken von bodenbrütenden Vögeln gehören. Und den Wiesenvögeln nehmen die 3 Meter hohen Panele als raumgreifende Anlagen den Lebensraum.

Zäune schaffen verriegelte Räume und hindern Hasen und Rehe am Wandern durch die Landschaft.

Was tun?

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Ohne Frage ist allen klar, dass Klimaschutz und Energiewende die größten Aufgaben unserer Zeit sind. Neben dem riesigen Potential der Energieeinsparung, ist die Art und Weise der Erzeugung von Energie von besonderer Bedeutung.

Man sollte nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen und Natur und Landschaft zerstören, als Folge einer ungeplanten Umsetzung der neuen Form der Energiegewinnung. Photovoltaik-Anlagen müssen nicht in die Fläche gestellt werden, um die Energiewende voranzutreiben. Anlagen auf Gebäuden oder integrierte Systeme ermöglichen Stromerzeugung, ohne Natur und Landschaft zu zerstören. In der Region sind dunkle Dacheindeckungen üblich, so dass moderne Solardachziegel auf Häusern keinen farblichen Bruch darstellen würden.

Bereits versiegelte Flächen, wie Großparkplätze in Einkaufsgebieten, z.B. in Tönning, Garding und SPO könnten gut für ein Überbauung mit Photovoltaik genutzt werden.

Gewinnen könnte Eiderstedt ein neues Image als klimaverträgliche Region. Die Region hat schon mit ihrem Projekt zum Glasfaserausbau gezeigt, dass sie gemeinsam zum Wohle der Allgemeinheit agieren kann. Warum also nicht für so ein wichtiges Projekt wie die Energiewende?